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Wie viele Schuhe braucht man eigentlich?

Ob Sneaker, Ballerinas, Stiefel, Sandaletten, Loafer oder High Heels – die Deutschen lieben Schuhe. Und sie lieben es, Schuhe zu kaufen. Etwa 15,25 Paar Schuhe besitzt jeder und jede Deutsche im Durchschnitt. Das hat 2017 eine Umfrage im Auftrag der TextilWirtschaft herausgefunden – Sport- und Hausschuhe nicht mit eingerechnet. Trotz klaustrophobischer Zustände in deutschen Schuhschränken: Nur noch selten beläuft sich die Halbwertszeit unserer Schuhe auf mehr als ein oder zwei Saisons. Dafür gibt es verschiedene Gründe.

Dereinst reine Schutzmaßnahme sind Schuhe heute längst zum Modeartikel avanciert. Ihre Herstellung unterliegt somit genau derselben Taktung, in der große Klamottenhändler ihre Kollektionen durchrotieren, um uns, teilweise im Wochenrhythmus, mit trendgerecht aktualisierten Artikeln zu versorgen. Wer heute noch mit It-Pieces an den Füßen durch die Innenstadt flaniert, hat womöglich morgen schon Schwierigkeiten, ein modisch vertretbares Outfit zusammenzustellen – wenn er oder sie nicht fleißig nachkauft.

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Gleichzeitig halten die meisten, massenindustriell gefertigten Schuhe auch qualitativ längst nicht mehr das, was ihre handgemachten Geschwister früher versprachen: Robustheit, Schutz vor Wind und Wetter, Wärme und Luftdurchlässigkeit über Jahre hinweg – bei ordentlicher Pflege sogar ein Leben lang. Mit dem Aufkommen von Fabriken, Thermoplastik und vor allem kostengünstigen Klebeverfahren im 20. Jahrhundert haben sich Schuhe zusehends vom Wegbegleiter zum Wegwerfartikel entwickelt. Das heißt nicht, dass Gummisohlen an den Pranger gehören. Vor allem auf die Qualität der verwendeten Materialien und deren richtige Verarbeitung kommt es an: Vernähte Sohlen halten länger als verklebte, organische Materialien wie Echtleder oder Baumwolle sind in der Regel atmungsaktiver als Kunststoffe wie PVC oder Polyethylen.

Diese Unterschiede spiegeln sich natürlich auch im Preis wider. Schuhe vom Discounter kosten in der Herstellung oft gerade mal um die fünf Euro, wie Tobias Börner von Shoepassion in einem Interview zu berichten weiß. Dahingegen blättern zukünftige Träger:innen eines Maßschuhs dieser Tage gut und gerne Summen jenseits der 1.000€ hin. Das muss man sich – bei aller Liebe zur langen Lebensdauer – auch erst mal leisten können. Zumal man mit einem Paar allein meist nicht weit kommt: Wer in Sneakern zur Beerdigung aufkreuzt, riskiert verständnislose Blicke, und einem Wochenende im knöcheltiefen Festivalschlamm hält selbst die edelste Maßpantoffel nicht Stand. Hinzu kommen Anlässe wie Arbeit (die, je nach Beruf, anderes Schuhwerk erfordert), Sport und Hobbies, sowie wechselnde Wetterbedingungen. Jeden Tag das gleiche Paar zu tragen sorgt bestenfalls für eine schnellere Abnutzung und ruiniert einem im schlimmsten Fall nicht nur die Schuhe, sondern die Füße gleich mit.

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Wie viele Paar Schuhe braucht man dann also wirklich? Eine pauschale Antwort lässt sich auch hier, wie bei so vielen Dingen im Leben, natürlich nicht ohne Weiteres geben, und auch im Internet gehen die Meinungen auseinander. Von zwei bis zwanzig sind alle Ansichten vertreten – Sammler und Reseller wiederum schütteln bei solch mickrigen Zahlen wahrscheinlich müde lächelnd den Kopf. Nichtsdestotrotz soll an dieser Stelle der Versuch einer Aufstellung gewagt sein.

Allen voran steht ein, besser zwei Paar Lieblingsschuhe für den Alltag. Wichtig sind hier Funktionalität und Tragekomfort. Der modische Aspekt ist natürlich nicht zu vernachlässigen, in diesem Fall aber zweitrangig. Wer sich hier (frei nach dem Motto: „Lederjacke, Jeans, T-Shirt“) für ein zeitloses Design entscheidet, muss auch gröbere Trendwenden in der Modewelt nicht fürchten. Zwischen den beiden Lieblingsschuhen am besten täglich wechseln, um die Beanspruchung des jeweils anderen Paars zu verringern. So halten die Schuhe bei ordentlicher Pflege am längsten.

An zweiter Stelle erwähnt seien „die guten Schuhe“: Also ein Paar für förmliche Anlässe wie Hochzeiten, Beerdigungen oder den Gang in die Oper. Idealerweise passend zum Anzug, beziehungsweise dem am häufigsten zu solchen Gelegenheiten getragenen Kleid.

Es folgen je ein Paar für verschiedene Jahreszeiten. Feste Winterstiefel für den Ausflug bei Schnee und Eis und ein Paar luftige Sandalen oder Slipper für den Sommer.

Anschließend bleibt im Minimalist:innen-Schuhschrank noch Platz für ein Paar Spezialschuhe. Das können Laufschuhe für die abendliche Runde im Park sein, Gummistiefel zum Wattwandern oder die handgeklöppelten Kroko-Slipper für die Bühne. Arbeitsschuhe laufen außerhalb der Wertung und zählen extra.

Macht zusammen also fünf bis sechs Paar Schuhe. Das mag nicht für alle die richtige Anzahl sein und, je nach Lebensstil, kommt der Mensch sicherlich auch mit mehr oder weniger aus, aber zumindest für die alltäglichen Herausforderungen des Lebens sollte man mit dieser Standardausstattung gewappnet sein. Doch wie schaut es mit der richtigen Pflege aus?

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Hier kommt es zum einen natürlich auf das Material an, aus dem die Schuhe gefertigt sind. Lackschuhe sind nicht gleich Sneaker und Wildleder nicht gleich Baumwolle. Es gibt allerdings ein paar fast universalgültige Basics, die an dieser Stelle genannt seien:

1. Schnürsenkel auf. Auch wenn es manchmal bequemer ist: Wer die Schnürsenkel beim Rein- und Rausschlüpfen zu lässt, nimmt eine enorme Belastung des Materials in Kauf. Stattdessen lieber die Zeit zum Aufschnüren nehmen, das lohnt auf Dauer ungemein.

2. Tragepausen einlegen. Schuhe, die täglich getragen werden, nehmen mehr Feuchtigkeit auf und gehen schneller kaputt. Eine Tragepause von 24 Stunden nach getaner Arbeit sorgt für ordentliche Durchlüftung und hilft dem Material, seine Form zu behalten. Dabei gilt:

3. Schuhspanner benutzen. Schuhe, die nicht getragen werden, verlieren auch bei kurzen Pausen gerne an Form oder bilden unansehnliche Falten. Dagegen wirkt ein Schuhspanner Wunder. Pro-Tipp: Schuhspanner aus Holz nehmen Feuchtigkeit besonders gut auf, beugen Muffigkeit vor und schonen so auch das Material.

4. Schuhe schonend trocknen. Auch wenn der Waldspaziergang im Bach geendet ist: Schuhe bitte nicht föhnen oder auf die Heizung stellen, da sich davon das Material verzieht und brüchig wird. Stattdessen lieber mit Zeitungspapier ausstopfen und bei Zimmertemperatur trocknen lassen.

Wer über diese Grundregeln hinaus in gute Qualität, die passende Pflege für das entsprechende Material und Reparaturen investiert, der wird auch über Jahre hinweg Freude an ihrer oder seiner sorgfältig ausgewählten Sammlung haben.